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Entlastung statt Detox, wie der Körper nach belastenden Zeiten wieder ins Gleichgewicht findet

  • Autorenbild: Michelle Kelterborn
    Michelle Kelterborn
  • 16. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Nach den Feiertagen hören wir in der Praxis oft ähnliche Sätze: „Ich fühle mich schwer.“ – „Irgendwie vergiftet.“ – „Mein Körper braucht jetzt dringend eine Entgiftung.“

Nach mehreren reichhaltigen Mahlzeiten, Süssigkeiten, Alkohol und weniger Bewegung ist dieses Gefühl gut nachvollziehbar. Wichtig ist jedoch zu wissen: Der Körper ist nicht vergiftet. Er arbeitet das ganze Jahr über unermüdlich daran, Abfallstoffe auszuscheiden, auch während der Weihnachtszeit. Was er nach dieser intensiven Phase häufig braucht, ist Entlastung, Unterstützung und etwas Zeit.

 

Was bedeutet „Entgiftung“ eigentlich?

Wenn wir von Entgiftung sprechen, meinen wir im naturheilkundlichen Sinn nicht eine spezielle Kur oder einen radikalen Verzicht, sondern die natürlichen Reinigungsprozesse des Körpers.

Unser Organismus muss täglich verschiedenste Stoffe verarbeiten: Alkohol, Abbauprodukte aus der Nahrung, Medikamente, Umweltstoffe oder ganz normale Stoffwechselabfälle. Diese entstehen automatisch, selbst dann, wenn wir uns gesund ernähren. Zum Glück verfügt der Körper über eigene Reinigungsorgane, die diese Aufgabe normalerweise zuverlässig übernehmen. Nach Zeiten mit viel Essen, Zucker, Fett oder Alkohol kann es jedoch sein, dass diese Systeme vorübergehend stärker gefordert sind.


 

Unsere Reinigungsorgane

Die Leber ist unser zentrales Entgiftungsorgan und übernimmt eine enorme Aufgabe. Sie filtert Schadstoffe aus dem Blut und baut sie so um, dass sie ausgeschieden werden können. Gerade nach den Feiertagen ist sie oft besonders aktiv, etwa durch Alkohol, schwere Mahlzeiten oder viele süsse Speisen. Eine überlastete Leber macht sich nicht immer eindeutig bemerkbar, oft ist es eher ein allgemeines Gefühl von Müdigkeit, Druck im Oberbauch oder einem unangenehmen Völlegefühl. Auch unruhiger Schlaf oder Hautunreinheiten können Hinweise darauf sein, dass die Leber gerade viel zu tun hat.

Die Nieren arbeiten wie eine Kläranlage. Sie filtern das Blut und scheiden Abfallstoffe zusammen mit Wasser über den Urin aus. Dafür brauchen sie vor allem eines: ausreichend Flüssigkeit. Wenn wir zu wenig trinken oder sie durch Alkohol und salziges Essen zusätzlich belasten, kann sich das durch schwere Beine, Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen oder sehr dunklen, stark riechenden Urin zeigen. Viele merken auch, dass ihre Haut trockener wird, ein Zeichen dafür, dass die Ausscheidung nicht optimal läuft.

Der Darm übernimmt die Rolle der Müllabfuhr. Alles, was der Körper nicht mehr braucht, verlässt ihn über den Stuhlgang. Ist der Darm träge oder gereizt, bleiben diese Stoffe länger im Körper. Das äussert sich häufig durch Blähungen, Bauchspannung oder das Gefühl eines „dicken Bauchs“. Auch ein unregelmässiger Stuhlgang ist ein Hinweis darauf, dass der Darm Unterstützung brauchen könnte. Oft helfen hier schon kleine Veränderungen im Alltag.

  


Über die Lunge werden Abfallstoffe in Form von Kohlendioxid ausgeschieden, ein Nebenprodukt der Zellarbeit. Bei Stress, Bewegungsmangel oder flacher Atmung funktioniert dieser Austausch weniger effizient. Viele Menschen merken das durch häufiges Seufzen, innere Unruhe, Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf oder einem Druckgefühl in der Brust. Schon bewusste Atemzüge und Bewegung an der frischen Luft können hier viel bewirken.

Die Haut ist kein Haupt-Entgiftungsorgan, aber ein wichtiger Spiegel des Inneren. Über den Schweiss werden kleine Mengen von Stoffwechselprodukten ausgeschieden. Wenn die Haut trocken wird, juckt, fahl wirkt oder zu Unreinheiten neigt, ist das oft ein Zeichen dafür, dass andere Reinigungsorgane, also den Darm, die Leber oder die Nieren, gerade stärker belastet sind.

 

Alles hängt zusammen

Im Körper arbeitet kein Organ für sich allein. Die Leber macht Stoffe unschädlich, Nieren und Darm sorgen dafür, dass sie ausgeschieden werden, die Lunge entsorgt Gase und die Haut zeigt häufig als erstes, wenn etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ist ein Bereich überlastet, müssen andere mehr leisten.

 

Wie kann der Körper unterstützt werden?


Oft sind es einfache Dinge, die viel bewirken. Eine Pause von Alkohol entlastet die Leber spürbar, ebenso bitterstoffreiche Lebensmittel wie Rucola, Chicorée oder Artischocken. Die Nieren freuen sich über ausreichend Wasser, weniger Zucker und Salz sowie regelmässige Bewegung. Der Darm profitiert von ballaststoffreicher, natürlicher Ernährung (also viel Gemüse, Haferflocken, Samen oder Hülsenfrüchte) und von Ruhe beim Essen. Für die Lunge sind Bewegung an der frischen Luft, bewusstes Atmen und Stressreduktion besonders hilfreich.

 

Sanfte und naturheilkundliche Unterstützungsmöglichkeiten

Neben Ernährung, Bewegung und Ruhe können auch pflanzliche Mittel die körpereigenen Reinigungsprozesse unterstützen. Dabei geht es nicht um schnelle Wunder, sondern um eine behutsame Anregung und Entlastung der Organe.

Viele Pflanzen können als Pulver, Kapseln, Tee oder Urtinktur angewendet werden. Besonders Urtinkturen werden in der Naturheilkunde oft bevorzugt, da sie konzentriert sind und individuell dosiert werden können.

Für die Leber werden in der Naturheilkunde häufig Pflanzen wie Mariendistel, Artischocke oder Löwenzahn eingesetzt. Sie unterstützen die Leberfunktion, regen die Gallenproduktion an und können bei Völlegefühl nach schweren Mahlzeiten helfen. Bittere Pflanzen wie Enzian oder Wermut werden meist in kleinen Mengen verwendet, um die Verdauungssäfte anzuregen.

Zur Unterstützung der Nieren und der Ausscheidung eignen sich Pflanzen wie Brennnessel, Goldrute oder Birkenblätter. Bärlauch wird als „blutreinigend“ beschrieben und unterstützt ebenfalls die Ausscheidung über die Nieren.

Für den Darm haben sich Flohsamenschalen bewährt, da sie den Stuhlgang regulieren und Abfallstoffe binden. Bei Blähungen und Völlegefühl können Fenchel, Kümmel oder Anis wohltuend wirken.

Die Lunge wird durch Pflanzen wie Thymian, Spitzwegerich oder Sonnentau unterstützt. Sie wirken beruhigend auf die Atemwege und können den Schleim lösen.

Für die Haut kommen in der Naturheilkunde häufig Stiefmütterchen, Malve, Schafgarbe oder Ringelblume zum Einsatz. Sie wirken hautberuhigend, entzündungshemmend und unterstützen indirekt auch andere Reinigungsorgane.

 

Fazit

Nach intensiven Tagen mit üppigen Mahlzeiten, Süßigkeiten und Alkohol fühlen sich viele Menschen schwer, müde oder unwohl. Der Körper arbeitet zwar ständig daran, Abfallstoffe selbst zu verarbeiten, doch nach einer besonders belastenden Zeit kann es sein, dass seine Reinigungssysteme etwas Unterstützung gebrauchen.

Wichtig ist nach belastenden Phasen vor allem Entlastung, Ruhe und sanfte Unterstützung der natürlichen Reinigungsorgane. Kleine Veränderungen im Alltag, wie ausreichend trinken, ballaststoffreiche Ernährung, Bewegung an der frischen Luft, Stressabbau oder bitterstoffreiche Pflanzen wie Mariendistel oder Löwenzahn, können helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Die Naturheilkunde betrachtet den gesamten Menschen: Es geht nicht um schnelle Kuren, sondern darum, die Selbstregulation des Körpers zu fördern. Indem wir auf die Signale unseres Körpers achten und ihm gezielt Erholung gönnen, können wir Wohlbefinden, Energie und Vitalität Schritt für Schritt zurückgewinnen, ganz ohne extreme Maßnahmen oder radikale Entgiftungskuren.

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